Buddhalicht - Mai/Juni 2006 - Frankfurt a.M.



Kalligrafien von Meister HsingYun Ausstellung in Hunan, China

Nach der erfolgreichen Ausstellung in der Hsi Lai Universität in Hacienda Heights, USA, wurden die Kalligrafien von Meister Hsing Yun im Museum der Provinz Hunan ab dem 18. März 2006 für einen Monat ausgestellt. Insgesamt waren mehr als 264 Werke zu sehen. Es handelt sich um Kalligrafie, Keramik, Namenssiegel und buddhistische rituelle Instrumente. Mit vielen Bilder und ausführlichen Erklärungen fand diese Ausstellung eine große Resonanz beim Publikum. Nicht nur Laien, sondern auch Ordinierte sind mit Bussen angereist. Viele Besucher haben ihre Bewunderung in das Gästebuch eingetragen. Im Museum bekam man auch Abschriften der Kalligrafien von Meister Hsing Yun als Souvenir. Die Nachfrage war so groß, dass die Besucher in langen Schlangen warten mussten. Für viele Familien war der Besuch ein unvergessliches Erlebnis.

 

 

Grundlagen des Buddhismus

Karma

Ohne die Lehre von Karma wäre der Buddhismus weder vollständig, noch denkbar. Daher führt jede Beschäftigung mit dem Dharma schnell und unvermeidlich zum Begriff "Karma", zu dessen Bedeutung es allerdings vielerlei falsche Vermutungen und Missverständnisse gibt. Dies liegt sowohl an der Komplexität der Materie, als auch daran, dass dieser Begriff in verschiedenen nicht-buddhistischen Zusammenhängen unterschiedlich gebraucht wird. Hier geht es darum, was alle buddhistischen Schulen gemeinsam zum Karma zu sagen haben. Zunächst wird aber auf allerhand Merkwürdigkeiten eingegangen, die um den Begriff Karma umherschwirren.

Folgende irrtümliche Meinungen sind verbreitet: So heißt es z.B., Karma sei eine Art von Schicksal, das eine außermenschliche Instanz über uns verhängte und auf welches wir keinen Einfluss haben. Beliebt ist auch die Auffassung, dass es sich bei Karma um Strafe für böse oder um Belohnung für gute Taten handele. Unheilsame Handlungen werden zudem von der "menschlichen Bosheit" abgeleitet. Auch wird die Auffassung vertreten, wonach zwar unheilsame karmische Handlungen zu Leiden führen, heilsame (gute, positive) jedoch zur Leidfreiheit, wobei man allerdings die Quintessenz der Lehre Buddhas außer Acht lässt. Eine Folge solcher Missverständnisse ist die Vorstellung, dass erleuchtete Wesen, also Buddhas, ebenso karmische Handlungen (natürlich nur positive) durchführen, wie dies bei gewöhnlichen Wesen der Fall ist. Dass in solchen Betrachtungen die spezifisch buddhistischen Lehren vom Nicht-Selbst und von der Leerheit (shunyata) aller Phänomene in der Regel ebenfalls ignoriert werden, sei hier nur am Rande erwähnt.

Demgegenüber ist zu betonen, dass es sich beim buddhistischen Konzept "Karma" um einen Aspekt der Lehre von Ursache und Wirkung handelt. Da ist weder ein Schicksal, ein Gott, oder eine bestrafende und belohnende Instanz am Werk, abgesehen davon, dass es niemanden gibt, der bestraft, oder belohnt werden könnte, wenn wir die Lehre vom Nicht-Selbst auf buddhistische Art und Weise verstehen wollen.

Das Sanskritwort "Karma" (Pali: kamma, Chinesisch: Yeh) bedeutet zunächst einfach "Handlung" oder "Tat". Wird allerdings davon gesprochen, wie dies im Buddhismus der Fall ist, dass Karma der Verursacher von Glück (Sukkha, Pali und Sanskrit.) und Leid (Dukkha, p. und skt.) ist, dann hat dies eine tiefgründigere Bedeutung. Denn dabei geht es um Anlagen in unserem Geistkontinuum, die wir dort durch unsere eigenen Handlungen hinterlassen. Diese Anlagen haben eine bestimmte Wirkungskraft und führen in der Zukunft zu Glück oder Leid. Jeder Mensch der Handlungen (bewusst) durchführt prägt dadurch seinen eigenen Geist und trägt somit selbst zu seinem Glück und Leid bei. Karma ist demnach keine äußere Macht.

Als Karma wird also im Buddhismus der die Wiedergeburt im Samsara (Daseinskreislauf) erzeugende oder beeinflussende heilsame oder unheilsame Geistesfaktor Wille bezeichnet. Dieser Wille (Karma) ist bei gewöhnlichen Wesen immer, sei es in groben oder subtilen Formen, von der grundlegenden Verblendung (Unwissenheit, avijja, p.) hinsichtlich der eigentlichen Bestehensweise aller Phänomene bestimmt. Verblendung gilt im Buddhismus als Ursache allen Leidens, und nicht die "Bosheit" oder "das Böse".

Wie gesagt, der Geistesfaktor "Wille" gilt als die eigentliche Handlung, als das eigentliche, anfängliche Karma. Damit ist ein Impuls in unserem Geist gemeint, der dazu führt, dass wir eine bestimmte Handlung mit Körper oder Rede durchführen. In welche Richtung der Wille unsere Handlungen führt ist von anderen Geistesfaktoren abhängig. Ist das Geistkontinuum von Leidenschaften wie Gier und Hass und Verblendung geprägt, so wird dadurch auch der Geistesfaktor Wille beeinflusst und das Handeln wird in eine unheilsame Richtung gelenkt, aus der später für uns selbst temporäres Leid (Dukkha) entsteht.

Wird der Wille dagegen von positiven Geistesfaktoren wie Mitgefühl oder Mitfreude und Verblendung bestimmt, dann wird er ebenfalls beeinflusst, wodurch unser Handeln in eine heilsame Richtung gelenkt wird, aus der temporäres Glück (Sukkha) im Daseinskreislauf entstehen wird.

Verblendung in allen ihren Nuancen wird als jenes Gift bezeichnet, aus dem alle anderen Geistesgifte/Leidenschaften (z.B. Gier und Hass) und in Folge alle Arten des Leidens hervorgehen. Karmische Handlungen führen daher immer zu einer oder zu mehreren der drei grundlegenden Arten von Dukkha (unvollkommen übersetzt als "Leiden"). Dabei handelt es sich um Dukkha des Schmerzes, Dukkha der Vergänglichkeit und das alles durchdringende Dukkha der Unfreiheit, d.h. der unfreiwilligen Gebundenheit an den Daseinskreislauf.

Buddhistische Ethik bedeutet, dass man von negativen Handlungen Abstand nimmt, weil man ihre schädigende Wirkung auf andere und auf sich selbst erkennt und in der Folge versucht, allen Wesen nicht nur nicht zu schaden, sondern ihnen zu nützen. Die Verwirklichung dieser Ethik führt sowohl zu Glück (Sukkha) für andere, als auch für einen selbst. Sie führt zu einer glücklichen Wiedergeburt und zu angenehmen Situationen. Denn die Art der Existenz ist letztlich von den eigenen heilsamen oder unheilsamen (Willens-)Handlungen abhängig, die ihre positiven oder negativen (karmischen) Eindrücke im eigenen Geistkontinuum hinterlassen haben.

Positive karmische Handlungen bewahren uns sicherlich vor Dukkha des Schmerzes und können uns in angenehmen und sogar für die Dharmapraxis förderlichen Bereichen des Daseinskreislaufs zeitweilig existieren lassen. Wir können durch das Praktizieren von Ethik, d.h. durch heilsame Taten Freude und Glück erleben. Dieses Glück wird als Sukkha bezeichnet. Ethische Handlungen können uns also auf unserem Weg zur großen Befreiung behilflich sein.

Solche heilsamen Handlungen können uns jedoch C wenn sie nicht durch die Entwicklung von Weisheit begleitet werden - von den beiden anderen und subtileren Arten von Dukkha keineswegs befreien. Daher gilt die klassische, aber auf viele Menschen provokativ wirkende Feststellung: Sukkha ist Dukkha. Dies ist eine wichtige buddhistische Kernaussage. Daher müssen wir uns bemühen, nicht nur die oberflächliche, sondern die tiefe Natur von Sukkha zu durchschauen, wenn wir überhaupt zu einem tieferen Verständnis von Dukkha gelangen möchten.

Die Lehre von den drei Arten von Dukkha hat übrigens nichts gemein mit Pessimismus, Wehleidigkeit, Resignation, Misanthropie und unglücklichen und verkniffenen Gesichtern C dies nur am Rande erwähnt. Um es zu wiederholen, da es wichtig ist, sich dies bewusst zu machen: Alle karmischen Handlungen führen immer, da sie immer durch eine mehr oder weniger umfassende Verblendung "verunreinigt" sind, zu einer Existenz im Daseinskreislauf. Daher werden glückliche Umstände und die Wiedergeburt in höheren Daseinsbereichen aus buddhistischer Perspektive "nur" als potentielle Grundlagen betrachtet, als Grundlagen, um die vollständige Befreiung aus dem Daseinskreislauf, d.h. die eigentliche und endgültige Beendigung allen Leidens (Dukkha) zu erlangen, was gleichzusetzen ist mit der Erleuchtung.

Der Zyklus der Wiedergeburten geht dann zu Ende, wenn ein Wesen, die grundlegende Unwissenheit (avijja) durch die vollkommene Entwicklung von Weisheit (prajna, skt.) beendet. Zum Ende kommt dadurch auch jegliches karmische Wirken. Das Ende der Unwissenheit ist nichts anderes als die Erleuchtung, es ist der "Eintritt" in das Nirvana. Ein Wesen, das die Vollkommenheit der Weisheit entwickelte wird Buddha genannt. Karma ist ein Ausdruck des Samsara, es gehört ihm an. Ein Buddha ist vom Samsara entbunden. Ein Buddha mag handeln, aber er erzeugt kein Karma.

Auf der Grundlage einer heilsamen (ethischen) Lebensführung kann eine tiefe meditative Konzentration (Sammlung) entwickelt und in dieser eine Einsicht in die eigentliche Realität erreicht werden. Diese Realität wird im Buddhismus mit den Begriffen Nicht-Selbst und Leerheit aller Phänomene bezeichnet. Verblendung, das Gegenteil der Weisheit, gilt als die Ursache der drei Arten von Dukkha. Weisheit ist identisch mit der Erkenntnis dieser Realität. Und Weisheit ist die direkte Ursache der Befeiung von Dukkha.

Die Schulungen von Ethik, Konzentration und Weisheit werden im Buddhismus als jener Mittlere Weg bezeichnet, der zur vollständigen Befreiung von Dukkha führt. Der Entscheidende Faktor ist weder Ethik, noch Konzentration/Sammlung, sondern die Entwicklung der Vollkommenheit der Weisheit (prajna paramita), von der zum Beispiel im Herz-Sutra die Rede ist. (sa)

 

 

Berichte

Zeremonie der Buddha-Waschung

Die Statuen der Buddhas aller Zeiten übergieße ich mit reinem Wasser, um meinen Geist zu reinigen und das Meer der spirituellen Verdienste zu vergrößern, um die in der Zeit der fünffachen Trübungen lebenden Wesen von allen Verschmutzungen des Geistes zu reinigen und um gemeinsam die höchste Erleuchtung zu erreichen.

In Frankfurt am Main wurde am 13. Mai die vom Fo Guang Shan-Tempel vorbereitete Zeremonie der Buddha-Waschung als Teil des von den drei Haupttraditionen des Buddhismus (Theravada, Mahayana und Vajrayana) erstmals gemeinsam organisierten Vesak-Festes begangen. Vesak bei dem Buddhas Geburt, Erleuchtung und der Eintritt in das  Nirvana gedacht wird, ist der bekannteste buddhistische Feiertag.

In diesem Jahr feierten wir den 2550 Geburtstag unseres Lehrers Buddha Shakyamuni mit der Zeremonie der Buddha-Waschung. Wir erinnern uns daran, dass der Überlieferung nach, am 8. Tag des Vierten Monats des Mondkalenders (an einem Vollmondtag) der historische Buddha, als Sohn der Königin Maya aus dem nordindischen Reich der Shakyas, als Prinz Siddhartha, in einem wundervollen Blumengarten unter dem Baum der Sorgenfreiheit geboren wurde.

Kurz nach seiner Geburt wies der Prinz mit einer Hand in Richtung Himmel, mit der anderen in Richtung Erde und sprach: "Ich bin der Erleuchtete des Universums". Diese Geste symbolisiert die Fähigkeit und Absicht Buddhas, mit Hilfe seiner Lehre, dem Dharma, alle an den leidvollen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt gebundenen Lebewesen von sämtlichen Arten des Leidens endgültig zu befreien.

Nachdem er jene Worte sprach, strömte vom Himmel Weihwasser auf seinen Körper herab. In Erinnerung an Buddhas Geburtstag und das "himmlische Weihwasser" feiern Buddhisten und Buddhistinnen weltweit die Zeremonie der Buddha-Waschung.

Dabei wird eine Buddha-Statue mit Wasser symbolisch gereinigt, wobei zunächst die linke, dann die rechte Schulterseite und zuletzt der Rücken der Statue mit Wasser übergossen wird. Während dieser Zeremonie sollten die Teilnehmer sich ernsthaft vornehmen, ihre eigenen Gedanken und ihr Verhalten von allen unheilsamen Aspekten zu reinigen, um Gier, Hass und Verblendung zu beseitigen. Gleichzeitig sollte der tiefe Wunsch entwickelt werden, dass sich die natürliche und soziale Umgebung sowie alle menschlichen Beziehungen schön, klar und harmonisch entwickeln mögen.

Das durch die Buddha-Waschung erzeugte spirituelle Verdienst trägt dazu bei, dass die eigenen Geistestrübungen und Leidenschaften verringert werden, womit auch die Gesellschaft und das Land schöner und harmonischer werden.

Alle Buddhisten und Buddhistinnen sind dazu aufgerufen, den Schmutz in Form von Gier, Hass und Verblendung aus ihrem Geist und Herzen zu waschen und diese unter den fünffachen Trübungen (in Form von Sinnenlust, Übelwollen, geistiger Stumpfheit, Nervosität und endlosem Zweifel) leidende Welt in ein Reines Land zu verwandeln. Dies ist die eigentliche Bedeutung der Zeremonie der Buddha-Waschung.

Am 15. Mai hat unser Tempel mit einem Tag der offenen Tür den Geburtstag von Buddha Shakyamuni begangen. Die Frankfurter Rundschau berichtete am 16. Mai sowohl von unseren Aktivitäten im Ostpark, als auch im Tempel. (sa)

Mehr Fotos finden Sie unter "Bildergalerie"

 

 

Veranstaltungen

Bußritual des Großen Erbarmens

Unser Tempel veranstaltet am Sonntag, dem 16. 7. 2006, um 10.30 Uhr das Bußritual des Großen Erbarmens. Die spirituellen Verdienste kommen dem Weltfrieden und allen Lebewesen zugute. Opfergaben können angemeldet werden. Herzlich willkommen!

 

 

Hrsg.:
Internationaler Buddhistischer Kulturverein e. V. Frankfurt am Main
Unter der Leitung von Dharmameisterin Miao Yen
Hanauer Landstr.11-13
60314 Frankfurt am Main
Tel: 069/40590870
Fax: 069/40590871
Website: http://www.foguangshan.de/
E-Mail: bliaffm@yahoo.com.tw oder info@foguangshan.de

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